Es hat geknallt – das Jubiläumskonzert in der Laeiszhalle

Rhythmisches Kopfnicken, wippende Füße, mitfiebernde Gemüte – unser Jubiläumskonzert in der Hamburger Laeiszhalle hat am Freitagabend getreu seines Mottos „Klassik knallt“ nicht an Intensität und Groove gespart. Die märchenhaften Melodien von Strawinskys Feuervogel eröffneten das Konzert. 1909 wurde Strawinsky als 26-jähriger durch das Ballets russes mit der Komposition des Stücks beauftragt. Das Ergebnis war eine begeisterte Zuschauermenge bei der Uraufführung ein Jahr später. Auch das Publikum in der Laeiszhalle war von dem dramatischen und lebhaften Rhythmus des Stücks gefesselt. Ein guter Einstieg also in das Abenteuer, auf das die junge norddeutsche philharmonie die Konzertbesucher an diesem Abend mitnahm.

Der Pianist Fazil Say hat mit Gershwins Rhapsody in Blue das Publikum nach der Pause dann vollends verzaubert. Wenn Fazil Say erzählt, dass Töne für ihn Farben sind, die tausend verschiedene Ausprägungen haben können, dann versteht man erst richtig was er meint, wenn man ihn Klavier spielen hört. Die Intensität, die Laustärke, der Rhythmus – all das trägt dazu bei, dass man als Zuhörer nach den ersten Tönen der Rhapsody in Blue ein farbenprächtiges Bild vor dem inneren Auge sieht. Nach ausgiebigem Applaus – besonders in der ersten Reihe schien ein Fazil-Say-Fanclub Stellung bezogen zu haben – und der bewegenden Zugabe Summertime war der Pianist zwar von der Bühne verschwunden, seine Präsenz schwebte aber sowohl im Saal als auch auf der Bühne für den restlichen Abend über den Musikern und den Zuschauern.

Die Jazzrhythmen der Symphonic Dances aus der West Side Story vom legendären Leonard Bernstein haben das Sitzfleisch der Zuschauer dann endgültig in Bewegung gebracht. Die sieben Schlagwerker der jnp gaben an Hupen, Trillerpfeifen, Peitschen und sonstigen orchesterunüblichen Instrumenten alles, um das Gefühl des New Yorks der 60er-Jahre auf die Bühne der Laeiszhalle zu bringen. Beinwippen und Kopfnicken zogen sich durch die Reihen – für die Verhältnisse eines klassischen Konzerts ist dieser Ausbruch an Emotionen in den Zuschauerreihen der Beweis dafür, dass die Musik und die Energie des Orchesters da landen, wo sie hingehören: In den Köpfen und Herzen der Konzertbesucher.

Dass das Feuerwerk des Hamburger Doms genau mit dem Ende des Konzerts zusammenfiel und die Besucher bunte Explosionen am Nachthimmel sahen, als sie Laeiszhalle verließen, könnte als Zufall gedeutet werden oder eben als die letzten Töne eines ganz großen Knalls. Für alle, die das Konzert nicht miterleben konnten – keine Panik! Wir haben alles aufgenommen und zwar in Bild und Ton. Die Produktion einer Live-DVD des Konzerts wird durch ein Crowdfunding ermöglicht. Holt euch knallende Klassik auf das heimische Sofa und unterstützt das Crowdfunding hier.

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