Im Sinnesrausch der jnp

 Oder: „Was die jnp ist und sein kann, begreifst Du erst, wenn Du sie erlebst.“ 

 

Im Oktober, kurz nach Ende des großen Sommerprojekts 2017, wurde ich in das Team der jungen norddeutschen philharmonie aufgenommen. Mit Projektanträgen, diversen Redaktionsaufgaben der Website, Broschüren und zuletzt des Saisonhefts wurde ich ziemlich schnell ziemlich tief in die Gefilde der jnp eingeflochten. Von Anfang an hieß es jedoch: „Um wirklich zu begreifen, was die jnp ist und sein kann, musst du ein Projekt miterlebt haben.“ Nach fast einem halben Jahr ist es nun also endlich so weit.

Den Weg zum ersten jnp-Konzert des Jahres bestreiten Konstantin und ich mit zwei gigantischen Koffern, bis zum Rand beladen mit druckfrischen Saisonheften, die an diesem Abend ebenfalls ihr Debüt in der Elphi haben sollen. Elphi. Ganz genau. Das erste Projekt, das ich außerhalb des Büros miterleben darf, wird in der Elbphiharmonie stattfinden, der Perle meiner Heimatstadt. Kein Wunder also, dass ich wie ein Honigkuchenpferd strahle, während unser Zug über die Elbbrücken in den Hamburger Bahnhof einrollt.

Viele Stunden vor Konzertbeginn biegen wir links vom Gebäude, vorbei an jeglichen Absperrbändchen, an die Waterkant ab und landen beim Bühneneingang. Mit den Toren eröffnet sich uns ganz plötzlich ein bunter Trubel: Schnellen und gemütlichen Schrittes huschen von links nach rechts junge und sehr junge Menschen durch das Backstage.

„Psssssst – die Generalprobe beginnt!“ heißt es, und all der Trubel konzentriert sich von nun an vollkommen gemäßigt auf der Bühne des großen Saals. Rund hundert Musiker*innen sitzen dort, den Blick auf Christoph Altstaedt, den Dirigenten, gerichtet. Im Saal, da leuchten anstelle der tausend Augenpaare in diesem Moment nur noch meine und zwei, drei andere.

Die Spannung, die in der Luft liegt, ist so aufgeladen, dass es mir schwer fällt, sie zu fassen. Ein fröhliches Gemisch aus Aufregung, Erfurcht und Euphorie. Letzteres überwiegt jedoch deutlich.

Nach der Probe wieder das übliche Gewusel, durch das ich mich treiben lasse und mich ständig mal hier, mal dort wiederfinde. Ich fühle mich ganz und gar wie in einem dieser Onecut Filmen, die ohne Schnitt auskommen. In denen die Kamera – in diesem Fall meine Person – ständig unverhofft in die nächste große Szene platzt, ohne dass man den Wechsel gemerkt hätte – ein simultanes Einprasseln von Eindrücken.

Die letzte halbe Stunde vor Beginn des großen Auftaktes ist angebrochen, inzwischen haben alle diesen Tunnelblick eingestellt und fahren mit mir den gleichen Film. Ich entfliehe dem für eine kurze Weile, indem ich den Backstage-Backstage-Raum betrete.  Einen kleinen Raum, ausgestattet mit Konferenztischwasser aus Weingläsern, Eiswürfelmaschine und natürlich einem atemberaubendem Blick. Schon beim Übertreten dieser Türschwelle merke ich, wie bei all der Professionalität auch das Zwischenmenschliche nicht flöten geht. Es werden ganz nebenbei Beziehungstipps ausgetauscht, als wäre das anstehende Konzert vor der Tür schon Ding der Alltäglichkeit.

Dass es eben gerade kein Ding der Alltäglichkeit ist, realisiere ich dann ganz deutlich während ich, zurückgelehnt in meinen Sessel, der Interpretation von Strawinskys Sacre zuhöre. Worte, die dieses Gefühl beschreiben ließen, gibt es nicht: „Um wirklich zu verstehen, was die jnp ist, musst du eben selbst ein Projekt miterlebt haben.“

 

Geschrieben von: Ella Schilling

Shares
jnp

Seit 2010 begeistert die junge norddeutsche philharmonie (jnp) ihr Publikum als eines der aufstrebendsten musikalischen Nachwuchsprojekte Deutschlands. Musikstudierende der norddeutschen Musikhochschulen vereinen sich in dem überregionalen Netzwerk projektweise für die Realisierung innovativer und energiegeladener Konzerte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.