Workshop „Plan A bis Z“

Im Workshop „Plan A bis Z“ am 29.03. kamen einige bedrückende, anstößige und erleichternde Fragen auf den Tisch. Was soll das hier eigentlich alles? Und was, wenn mein Traum vom Orchester irgendwann doch platzen sollte? Gibt es einen Plan B? Oder lieber Z? Welcher wäre das? Und wie geht es den anderen mit all diesen Fragen?

Was sich auf den ersten Blick wie ein Angebot zur Selbsthilfegruppe anhört war viel eher ein gemeinsames in-Austausch-treten und Realitäten abchecken. Sieben erfahrene Referent*innen berichteten von ihren individuellen Biografien und Projekten:

Bernadett Kis (Intendanz Puppenphilharmonie)

Lea Heinrich (Musikvermittlung Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Clemens Seemann (Geschäftsführung STEGREIF.orchester)

Franziska Spohr (Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Projektmanagement Zukunftslabor)

Konstantin Udert (Geschäftsführung junge norddeutsche philharmonie)

Folkert Uhde (Radialsystem V, Konzertdesign)

Tim Erik Winzer (Bratsche, Ensemble Resonanz)

Lea Heinrich, beispielsweise, hielt einen Inputvortrag zu ihren Tätigkeiten und den umfassenden Aufgaben der DSO-Musiker*innen. Sie nahm Bezug auf organisationssoziologische Herausforderungen, die Entwicklung und Anpassung von Projekten in ihrem räumlichen Kontext. Bernadett Kis hielt sich widerum an ihre Biografie, vom künstlerischen Studium in Budapest mit viel ästhetischer Bildung und wenig „Handwerk“, der umgekehrten Erfahrung an der HfM „Hanns Eisler“ Berlin, der Anstellung als stellv. Solo-Bratsche im Konzerthausorchster und wie sie zur Gründung der Puppenphilharmonie und der Agentur „Puppet Solutions“ kam.

Mit interaktiven Spielen wie „Ich hab noch nie…“ bekamen die Teilnehmenden die Chance sich zu verschiedenen Thesen zu bekennen oder zu distanzieren. Man bekam schnell das Gefühl: ich bin nicht allein mit meiner Empfindung, die ganzheitliche musikalische Bildung, die Förderung von Allgemeinbildung sowie praktische Organisationskompetenzen in meinem Studium zu vermissen. Konkret geäußerte Wünsche wurden insbesondere zur Praxis artikuliert („Wir müssen lernen, Projekte zu organisieren“, „Was ist die GEMA/KSK/GVL?“, etc.).

In kleineren Teams und Leitung eine*r Referent*in wurden im Laufe des Nachmittags Diskussionen über Individualität und Teamwork, Allgemeinbildung,Vorbestimmtheit,Risiko, Evolution vs. Revolution und Experimente in der Praxisangestoßen.

Am Ende des Tages verankerten sich vor allem folgende Ergebnisse in den Köpfen der Musiker*innen:

  • Ein Projekt hat nur dann eine Überlebenschance, wenn sich aus der Haltung „dagegen“ sofort eine positive Energie entwickelt. Nicht nur als Protest etwas anderes machen!
  • Konzepte aus den vorhandenen Möglichkeiten entwickeln – etwas vereinfacht: „Wir haben doch einen Beamer hier, lass mal was mit Beamer machen!“
  • Wie komme ich von einer Idee zur Umsetzung: u.a. Authentizität, Innovation, Publikum, Geld, Frustrationstoleranz, ehrliches Feedback, Selbstreflektion, Vernetzung, strategisches Networking, Festhalten an der Idee

Alle schienen mit einem gestärkten Gefühl nach Hause gegangen zu sein, man habe Zuversicht geschöpft, ein klarere Idee von den Plänen „B bis Z“ erhalten und sei zur Eigeninitiative ermutigt worden.

Die Auswahl der Referent*innen war sehr interessant und vielfältig. Vielleicht gibt es demnächst auch einfach mal einen Workshop aka „Fuck-Up Nights“ zu gescheiterten Vorhaben und was man auch daraus lernen kann.

Ein herzliches Dankeschön gilt vor allem dem Radialsystem und der Deutschen Orchesterstiftung.

 

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jnp

Seit 2010 begeistert die junge norddeutsche philharmonie (jnp) ihr Publikum als eines der aufstrebendsten musikalischen Nachwuchsprojekte Deutschlands. Musikstudierende der norddeutschen Musikhochschulen vereinen sich in dem überregionalen Netzwerk projektweise für die Realisierung innovativer und energiegeladener Konzerte.

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